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1

Sonntag, 16. November 2014, 00:36

Berlin, 15.11.2014

  • Neben der Familie (Sohn John, Tochter Sonja mit Ehemann und Söhnchen, Bruder Manfred), waren u.a. auch Produzent Peter Wagner, Textautor Oliver Spiecker, Manager Freddy Burger, "Michaela Moritz", Meret & Ben Becker, Klaus Wowereit, Bernhard Brink, Jay Khan, Tim Bendzko und Campino von den "Toten Hosen" im Publikum zu finden.
  • Eine Frau schaffte es bei "Ich war noch niemals in New York" auf die Bühe zu rennen und neben dem Flügel eine gefühlte Ewigkeit lang zu tanzen. Erschreckend, wie lange es dauerte, bis jemand Udo Jürgens zu Hilfe kam und die Frau entfernte, wie er es nach hinten rufend direkt forderte; das Entsetzen stand ihm ins Gesicht geschrieben. Hätte ihm diese Person etwas antun wollen, hätte sie jede Zeit der Welt dafür gehabt... Das Sicherheitskonzept sollte dringend überdacht und verbessert werden!!!

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2

Sonntag, 16. November 2014, 01:33

Pressestimmen:

Udo Jürgens begeistert Berliner Publikum - Fan geht auf Tuchfühlung

Damit hatte selbst Udo Jürgens, der in seinen besten Jahren so manches Frauenherz gebrochen hat, nicht gerechnet. Ein weiblicher Fan erklomm am Sonnabend bei seinem ausverkauften Konzert in der Berliner O2 World die Bühne. Lasziv tänzelte die adrette Brünette zu „Ich war noch niemals in New York“ vor dem Altmeister, der sich an seinem Flügel nur schwer das Lachen verkneifen konnte.

Im Mittelpunkt dieses Abends stand jedoch die Musik des 80-jährigen Entertainers. Im ersten Teil spielte Jürgens mit dem Orchester Pepe Lienhard vor allem nachdenkliche und gesellschaftskritische Lieder seines aktuellen Albums „Mitten im Leben“, so wie der „Der gläserne Mensch“ und „Der Mann ist das Problem“.

Sichtlich berührt nahm der Österreicher die Begeisterungsstürme seines Publikums auf, welches schon in der ersten Konzertminute den Sänger mit stehenden Ovationen begrüßte. Zu „Griechischer Wein“ hielten es die Fans schließlich nicht mehr auf den Sitzen. Sie stürmten zur Bühne, überhäuften ihren Star mit Blumen. Spätestens bei „Immer wieder geht die Sonne auf“ und einem Medley aus „Ehrenwertes Haus“, „Aber bitte mit Sahne“ und „Mit 66 Jahren“ bebte die Arena. Nach vielem Händeschütteln verabschiedete sich Jürgens schließlich kurz vor 23 Uhr in die Nacht.
Übrigens ließen sich auch viele Prominente das Konzert des Jubilaren nicht entgehen. Unter den Gästen waren neben Sohn John Jürgens, der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, Schlagerstar Bernhard Brink, Sänger Tim Bendzko und Schauspieler Mathieu Carriere.

Quelle: moz.de

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3

Sonntag, 16. November 2014, 10:42

Udo Jürgens und der Urknall des deutschen Schlagers

Und immer wieder geht die Sonne auf: Udo Jürgens zeigt in der ausverkauften O2 World eine gewaltige, anrührende und energiegeladene Show. Das Publikum bewundert einen Profi bei der Arbeit.
Er habe eine Bitte, sagt Udo Jürgens kurz nach 22 Uhr. Er wisse ja, dass nun die Zeit gekommen sei, in der manche langsam unruhig werden und nach vorne Richtung Bühne kommen wollten. "Lasst uns bitte noch zwei Lieder in Ruhe spielen", sagt er und setzt sich an das Klavier. Seine Ansage funktioniert, zumindest gilt das für das erste Lied. Doch als die ersten Töne von "Griechischer Wein" erklingen, ist es vorbei mit der Sitzordnung. Das Lied ist das Signal, die Menschen strömen nach vorne. Und sie werden bis zum Ende den Platz an der Bühne nicht mehr verlassen.
Der Augenblick ist gut gewählt. "Griechischer Wein" war ein Urknall für den deutschen Schlager. Vor dreißig Jahren veröffentlicht, zeigte das Lied, dass Schlager nicht automatisch seicht, liebesduselig und belanglos sein müssen. "Und wenn ich dann traurig werde, liegt es daran, dass ich immer träume von daheim, Du musst verzeih'n." Er fing die Sehnsucht der Menschen ein, die damals Gastarbeiter genannt wurden. Udo Jürgens war weltoffen, ohne Dünkel, meinungsstark und lässig.
Das alles ist er noch immer, mit 80 Jahren, was ohnehin das Resultat irgendeiner fehlerhaften Berechnung sein muss. Er ist alterslos, seine Stimme kräftig, sein Hüftschwung intakt, und auf eine interessante Weise gleicht sich sein Äußeres immer stärker Bryan Ferry an. Oder umgekehrt.

Ein außergewöhnlicher Abend
Dass ein außergewöhnlicher Abend bevorsteht, ist nach den ersten Minuten zu spüren. Nach dem ersten Lied gibt es stehenden Applaus für den Sänger. Auf der Videoleinwand erscheint Feuerwerk über dem Brandenburger Tor. Die Berliner bejubeln Udo Jürgens und ein bisschen auch sich selbst. Er habe Respekt vor der Stadt, sagt er, ein nachträglicher Glückwunsch zum Mauerfalljubiläum.
Der Abend ist zweigeteilt, die Gassenhauer kommen nach der Pause, zuvor spielt er überwiegend neuere Lieder. Er singt gegen den gläsernen Menschen und gegen die Geheimdienste an, die die Daten sammeln. Er verurteilt die Gier, die dazu führt, dass die Menschen den Planeten ausbeuten. Er sagt dann solche Sachen wie "wir haben keine zweite Erde". Er sorgt sich, dass der Mensch sich als Krönung der Schöpfung sieht. Man kann von dieser leicht apokalyptischen Weltsicht halten, was man will, aber zumindest ist es eine andere, nachdenklichere Ansage als "Ich will Euch benutzen", wie es drei Tage zuvor an der selben Stelle, auch in der O2 Word, zu vernehmen war.

Von acht bis achtzig Jahren

Nach Helene Fischer ist es jedenfalls der zweite Auftritt eines Superstars binnen Kürze in der Stadt. Ausverkauft ist auch er, und "tous Berlin" ist da, tatsächlich von acht bis achtzig Jahren reicht das Altersspektrum. Den Versuch das Publikum zu klassifizieren, kann man sich schenken. Udo Jürgens ist insofern Volkssänger, weil er alle Schichten anspricht. Und so fehlt die Prominenz auch nicht: Christian Berkel, Campino, Meret und Ben Becker sind unter den Gästen.
Es gilt, einen Profi bei der Arbeit zu bewundern. Udo Jürgens singt jedes Lied mit einer Begeisterung, als täte er dies das erste Mal. Er sagt, wie dankbar er sei, hier auf der Bühne zu stehen. Und sein Publikum lässt keinen Zweifel, wie dankbar es ist, ihn erleben zu dürfen. Er singt "Ich war noch niemals in New York" mit einer Melancholie und Lebensfreude, die zu seinem Markenzeichen geworden ist. Ein Mann, der noch einmal das Haus verlässt, in dem es "nach Bohnerwachs und Spießigkeit" riecht, um Zigaretten zu holen, und der sich überlegt, "wenn das jetzt ein Aufbruch wär, er müsse einfach geh'n für alle Zeit". Es klingt wie die Vertonung von John Updikes Rabbit-Romanen, in denen Harry es auch nie schafft, aus seinem Vorstadtleben auszubrechen. Je nach Gemüts- und Lebenslage kann man mitschaukeln oder anfangen zu heulen.
Mit großem Charme stellt er die meisten Musiker seines 20-köpfigen Orchesters vor. Er führt es wie ein echter Chef, mit Charisma und mit Wertschätzung für ihre Leistung. Er dominiert naturgemäß den Abend und begreift sich dennoch als Teil des Ganzen. Er hat die Band im Griff, er hat sich im Griff, er hat das Publikum im Griff. Er zeigt das, was man ihm vom erwartet: eine gewaltige und energiegeladene Show, die nie unpersönlich wirkt. Vielleicht sollte man an dieser Stelle eine kleine Lanze für die O2 World brechen. Der Sound ist makellos, genau wie die optische Umsetzung auf der Videoleinwand. Das Sicherheitspersonal, das an diesem Ort dazu neigt, sich wie bei einem Hochsicherheitsspiel aufzuführen, hält sich zurück. Irgendwann ist es halt ein bestuhltes Konzert, bei dem die meisten Menschen stehen.

Das obligatorische Lied im Bademantel
Am Ende vergisst Udo Jürgens - ganz die alte Schule - die Blumen nicht, die ihm die Damen während des Konzerts gereicht haben. Sie liegen auf dem Klavier, Udo Jürgens hat seinen schwarzen Dreireiher gegen Jeans und weißes Hemd ausgewechselt, das obligatorische Lied im Bademantel hat er bereits hinter sich. "Merci, Chérie", mit dem er 1966 seinen Durchbruch schaffte, spielt er leider nicht. Alles kann man nicht bekommen. Aber auf "17 Jahr, blondes Haar", "Immer wieder geht die Sonne auf", "Ehrenwertes Haus" und "Ich wünsch dir Liebe ohne Leiden" wartet man nicht vergebens. Seine Lieder sind nicht nur als Sprichworte in den Wortschatz eingegangen, sie sind auch zeitlos und eine Erklärung, warum so viele, die in den 70er-Jahren als Schlagerstars galten, vergessen sind. Und er nicht.
Eine Abschiedstour habe er nicht vor, hat er vor ein paar Jahren in einem Interview erzählt, er wisse nicht, was das Schicksal noch mit ihm vorhabe. "Irgendwann fällt mir die Feder aus der Hand, und ich sage: Freunde, das war's, das war gestern mein letztes Konzert." 2014 ist er immer noch da, ein Chansonier, ein Charmeur, ein Herzensbrecher, der uns Liebe ohne Leiden wünscht.

Quelle: morgenpost.de

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5

Sonntag, 16. November 2014, 19:03

Udo Jürgens singt in Berlin: Flüssiges Karamell, knisterndes Cellophan

80 Jahre und kein bisschen leise: Udo Jürgens gastiert auf seiner „Mitten im Leben“-Tour in Berlin - und die O2-World liegt ihm zu Füßen. Eine schöne Dame stürmt sogar die Bühne.

„Eine faschistoide Regierung“, sagt er, „kann immer wieder passieren. Es kann sehr nahe kommen.“ Daher gehe unsere Privatsphäre keinen Menschen, schon gar keinen Staat etwas an. Sein gut frisierter Kopf erscheint auf der Riesenleinwand nun in Schwarz-Weiß – im Sucher einer fiktiven Überwachungskamera namens „Predator Sky Eye Delta“. Nun füllt eine Stimme aus flüssigem Karamell die Halle: „Die Welt im Apple- und iPhone-Wahn / Und Rechner wissen mehr als wir. / Sie sind gnadenlos auf der Datenspur. / Wo du auch bist – sie folgen dir.“

Was geht hier vor? Ist dies die Jahreshauptversammlung des Chaos Computer Clubs? Nein. Hier tragen die Damen ihre schönste Feinwäsche, die Herren Krawattennadel.
Es herrscht Sektlaune, und man klatscht im Takt der sensationellen Bigband von Pepe Lienhard zu „Der gläserne Mensch“.

Der 80-Jährige führt momentan die Airplaycharts an

Obwohl seiner Ansicht nach Netzwerke nicht sozial sind: "Udo Jürgens - Offizielle Facebookseite" hatte am Sonntag um 12 Uhr immerhin 67 208 Likes. Und echt wahr, der 80-jährige Klagenfurter mit Wohnsitz in Zürich, Songwriter für Shirley Bassey und Sammy Davis jr., führt momentan die deutschen Airplaycharts an. Einem Smudo steht das Einstecktuch eben nicht so gut.

Udo Jürgens nutzt die erste Hälfte seines beinahe dreistündigen Auftritts, um dringend allerhand loszuwerden. Du bist selbst verantwortlich für das, was du tust. Hör auf zu jammern. Setz dir kleine Ziele. Lass die Jungen ihr Ding machen. Wachse über dich selbst hinaus. Lass Kinder Kinder sein. Und eine Erkenntnis, die nicht nur Sprechakttheoretiker in ihren Bann zieht: Achte auf deine Worte, denn was du sagst, wird wahr. Sein Ausrufezeichen ist der rechte Arm. Er reißt ihn nach oben, der Zeigefinger ist der höchste Punkt. Bämm. Das hat gesessen.


Ein Erlöser, das hat er in der Fernsehdoku "Der Mann, der Udo Jürgens ist" gesagt, wolle und könne er nicht sein. Doch wenn im Publikum bei „Der gekaufte Drache“ oder später den großen Sehnsuchts-Krachern Tränen fließen, dann ist Jürgens doch wenigstens ein Putzmann der geheimen Gefühle. Einer, der das Innerste poliert – auch wenn es schmerzt.

Berlin liebe er, das hat er gleich zu Anfang klargestellt. 80 Prozent seiner Schallplatten habe er in den Studios an der Köthener Straße aufgenommen, erzählt er. Ach nee, heute heiße das ja „CD“ – oder etwa auch schon nicht mehr ... Plaudereien, in denen es um den technischen Fortschritt oder seine Schwierigkeiten mit der Monogamie geht, kommen besonders gut an. Er kann sich das leisten.

Die Security führt eine schöne Dame von der Bühne

Und swingt er, unterhält er? Bewegt sich Udo Jürgens, neben aller Nachdrücklichkeit der Botschaften, noch wie die frauenfangende Raubkatze von 1973? Zwei Momente gibt es außerhalb der festgelegten Choreografie der „Mitten im Leben“-Tour. Einmal erklimmt eine schöne Dame die Bühne und marschiert geradewegs auf den Flügel zu. Jürgens guckt erst überrascht, dann kichert er, fast ein bisschen verlegen. Sie wird von der Security abgeführt. Das andere Mal stimmt er gemeinsam mit einem kanadischen Sänger den Sinatra-Klassiker „How About You“ an. Er lässt vollkommen locker, als spüre er, wie gut ihm der Song tut. Eine Freude, dabei zuzusehen.

Der zweite Teil der Show steht ganz im Zeichen der alten Schlager. „Ich glaube, es passt jetzt ganz gut, wenn wir ein paar Oldies spielen“, meint ein frisch geschminkter Jürgens und nimmt schnell einen Schluck Tee. Tausend Mal wird er erlebt haben, was jetzt passiert. Das Publikum im Innenraum erhebt sich von den Stühlen und läuft zunächst gemäßigten Schrittes, dann immer rascher nach vorne an den Bühnenrand. „Griechischer Wein“ beginnt so leise, dass man meint, das Blumenpapier auf dem Flügel knistern zu hören. Die „Gastarbeiter“-Hymne bleibt unter ihren dramaturgischen Entfaltungsmöglichkeiten und gerät gerade deshalb zu einem Höhepunkt des Abends. Die Routine macht Pause. Wo mag das Reservoir an Premierengefühl sein, aus dem der Mann schöpft?

Irgendwann zwischen „17 Jahr, blondes Haar“ und „Mit 66 Jahren“ legt Udo Jürgens die Jacke ab. Da kann er noch so sehr auf die Großkonzerne schimpfen, am Ende siegen das Medley und der Bademantel. Oder besser: fast am Ende. Denn Udo Jürgens kommt zurück auf die Bühne, diesmal in heller Jeans und den neuesten Nike-Sneakern. Menschen liegen einander in den Armen, stehen auf den Stühlen, wieder brandet Jubel auf. Im letzten Song des Abends singt er: „Ich schau im Fernsehen Unsinn an / da klingelt es, und du bist dran“. Einsamer Künstler nach dem großen Auftritt, leeres Hotelzimmer, man kennt das. Geschenkt. Als das Licht in der Halle längst an ist und die ersten Roadies zu arbeiten beginnen, schüttelt Udo Jürgens weiter frisch manikürte Hände. Ein Abend, den man in Cellophan verpacken möchte.

Quelle: tagesspiegel.de

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6

Sonntag, 16. November 2014, 19:11

Udo Jürgens singt und warnt seine Fans

Große Begeisterung am Sonnabend in der O2 World in Berlin: In einem dreistündigen Konzert spielte Udo Jürgens seine größten Erfolge von „Griechischer Wein“ bis „Ich war noch niemals in New York“; in den neueren Liedern warnte er eindringlich vor dem Überwachungsstaat und dem Patriarchat.

Umweltverschmutzung und Apokalypse, Abbau der demokratischen Rechte und Triebunterdrückung in der verdinglichten Massenkultur sowie Kritik der patriarchalischen Herrschaftsverhältnisse: Das waren einige der Themen, mit denen sich der österreichische Lied- und Protestschlagerdichter Udo Jürgens in seinem Konzert am Sonnabend in der Mehrzweckhalle am Ostbahnhof befasste. Drei Stunden lang spielte er sich mit dem Pepe Lienhard Orchester durch sein 50 Jahre umspannendes Œuvre, zu Beginn des Abends trug er einen Dreiteiler in Dunkellila mit einem roten Einstecktuch, in der Zugabe gab Udo Jürgens ein Medley seiner größten Erfolge in einem weißen Bademantel mit einem Autogramm von sich selbst auf der Brust.

Vor sechs Wochen hat Udo Jürgens seinen 80. Geburtstag gefeiert, im Februar ist sein 42. Soloalbum „Mitten im Leben“ erschienen. Das Berliner Konzert begann mit dem Stück „Die Welt braucht Lieder“, dazu wurde ein Film gezeigt, in dem musikalische Sternschnuppen um die Welt huschten und über bekannten Städten schönen Sternschnuppenstaub abregnen ließen, über Klagenfurt, Wien, Moskau und New York sowie über „Berlin“ und „Ost-Berlin“, was einem zu denken gab. Danach spielte er zwei neue Stücke, „Alles aus Liebe“ und „Was ich gerne wär für Dich“, und richtete sich mit einer etwa zehnminütigen Ansprache ans Publikum, in welcher er darlegte, dass wir alle für unsere Gedanken verantwortlich sind sowie für unsere Taten, auch wenn es in der Familie mal schwierig ist, weil zum Beispiel der Vater zuviel Alkohol trinkt, und dass man andererseits gerade in Berlin sehen könnte, welche Kraft die Gedanken und Sehnsüchte haben, worauf die Politiker dann reagieren müssen, wenn sie nicht wollen, dass es bald vorbei für sie ist: „Hier ist der Gesetzgeber gefordert!“

Drohender Untergang und rauchende Rentner

Udo Jürgens saß an einem schwarzen Flügel in der Mitte der Bühne, das zwanzigköpfige Orchester musizierte in kompetenter Form um ihn herum. Hervorzuheben ist der interessante Gesamtklang der Band: Er war einerseits farbig, satt und differenziert, aber andererseits wattig, gedämpft und hintergrundhaft, es gab kaum Bässe und Höhen zu hören, sondern wesentlich Mittelfrequenzen. Je nach Neigung kann man das Ergebnis als samtig bezeichnen oder als schlaff. Jedenfalls standen Udo Jürgens’ Stimme und Spiel dadurch stets unangefochten im Vordergrund.

Die erste Hälfte des Abends war gesellschaftspolitisch engagiertem Liedgut gewidmet, wobei die Songs von der neuen Platte sich gut mit dem Repertoire der Siebziger verbanden. So folgte auf „Der gekaufte Drachen“ aus dem Jahr 1978, in dem Jürgens die Entfremdung zwischen einem Großkapitalisten und seinem kleinen Sohn thematisiert, das aktuelle Stück „Der gläserne Mensch“, das sich mit den Risiken des Internet befasst. Den „jungen Leuten“, erläuterte er in einer weiteren, wiederum etwa zehnminütigen Ansprache, sei es ja wohl „egal, ob sie abgehört werden“. Aber man stelle sich vor, was passiert, „wenn unsere Daten in die Hände eines faschistoiden Regimes fallen sollten“ – da müsse man „noch nicht einmal an Nordkorea denken“.

Sehr gut zu dieser apokalyptischen Stimmung passte auch das später aufgeführte „Tausend Jahre sind ein Tag“, in dem Udo Jürgens sich ebenfalls schon Ende der Siebzigerjahre mit der Seinsvergessenheit der Zivilisation und deren drohendem Untergang befasste. Das Stück war als Titelmelodie in der japanisch-französischen Zeichentrickserie „Es war einmal… der Mensch“ zu hören und wurde von Siegfried Rabe mitkomponiert, der mit „Hallo Alf, hier ist Rhonda“ in den Achtzigern noch einen weiteren auf einer Fernsehserie basierenden Hit erzielte; mit Udo Jürgens erschuf er auch den Titelsong zu den „Tom-und-Jerry“-Trickfilmen, der an diesem Abend leider ungespielt blieb.

Danach folgte eine halbstündige Zigarettenpause, die für mich zu den Höhepunkten des Abends gehörte. Ich kann mich nicht erinnern, je schon einmal mit so vielen tollen Frauen über 70 in einem Konzert gewesen zu sein, die in der Pause wie die Schlote rauchten! Rauchende Rentnerinnen sind sowieso das Größte für mich.

Der Mann im Mittelpunkt

In der zweiten Hälfte des Abends widmete sich Udo Jürgens dann schwerpunktmäßig den Männern und der Männlichkeit. „Der Mann ist etwas Wunderbares, oder sind Sie anderer Meinung?“ fragte er zur Einleitung in diesen Teil. Woraufhin eine Gruppe reiferer Frauen hinter mir lang und anhaltend buhte. „Wer traut sich nicht zum Zahnarzt / aber fängt Kriege an“, sang Jürgens dann in dem neuen Lied „Der Mann ist das Problem“ und antwortete: „Es ist der Mann! Doch die Frauen lieben ihn trotzdem!“

Im folgenden war dann aber auch von männlichem Leid viel die Rede. In dem Klassiker „Ich war noch niemals in New York“ thematisierte Udo Jürgens noch einmal die traumatisierende Triebunterdrückung eines geschurigelten Gatten; in „Griechischer Wein“ besang er die Melancholie migrantischer Väter, die ihre Familien in der fernen Heimat zurückgelassen haben. Ganz am Ende, im Bademantel, sang Udo Jürgens dann noch ein Lied, das für ihn „im Alter immer wichtiger werde“, nämlich „Siebzehn Jahr, blondes Haar“; tatsächlich wird es ja, wie jeder Mann weiß, im Lauf der Jahre immer schwieriger, noch einmal eine Siebzehnjährige herumzukriegen.

Zu diesem Zeitpunkt hielt es die Massen längst nicht mehr auf den Plätzen, seit „Griechischer Wein“ drängten sie sich enthemmt vor der Bühne, eine flotte Brünette in einem schwarzen Minikleid stürmte hinauf und versuchte mit Udo Jürgens zu tanzen, sie wurde von Ordnern eingefangen und abgeführt. Bei „Liebe ohne Leiden“ sang die ganze Halle wie aus einem Hals „dü-bi-dü-di-dü“, woraufhin Udo Jürgens lächelnd von hinnen ging. Am 18. März 2015 wird er noch einmal an gleicher Stelle zu sehen sein.

Quelle: berliner-zeitung.de

7

Sonntag, 16. November 2014, 20:16

Setlist vom Konzert

Hallo,

ich war gestern auf dem Udo Jürgens Konzert in Berlin in der O2 World.

Ich wüsste gerne ob jemand von dem Konzert eine Setlist in der Reihenfolge der gespielten Lieder veröffentlichen könnte.

Insbesondere würde mich Interessieren wie das erste Lied des Konzertes hies welches Udo aus dem Off (hinter der Bühne) sang wo nur auf der Videoleinwand eine enspielung zu sehen war.

Freu mich wenn mir da jemand helfen könnte.

MFG

kretzmer73

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8

Sonntag, 16. November 2014, 21:03

  • Die Welt braucht Lieder
  • Alles aus Liebe
  • Was ich gerne wär' für dich
  • Das Leben bist du
  • Der gekaufte Drachen
  • Der gläserne Mensch
  • Ich will, ich kann - I can, I will
  • Ich bin dafür
  • Die Sonne und du/ Jeder so, wie er mag
  • Die Krone der Schöpfung

PAUSE

  • Hautnah
  • Ich würd' es wieder tun
  • Der Mann ist das Problem
  • Tausend Jahre sind ein Tag
  • Griechischer Wein
  • Ich war noch niemals in New York
  • Medley (Ein ehrenwertes Haus / Aber bitte mit Sahne / Mit 66 Jahren), Mitten im Leben
  • Immer wieder geht die Sonne auf
  • Mein Ziel
  • Bademantel-Zugabe (Siebzehn Jahr', blondes Haar / Cottonfields / Zeig' mir den Platz an der Sonne / Liebe ohne Leiden)
  • Zehn nach Elf

9

Montag, 24. November 2014, 21:57

Mich würde interessieren ob jemand Bilder von der unbekannten Frau am Flügel von Udo Jürgens hat

  • Neben der Familie (Sohn John, Tochter Sonja mit Ehemann und Söhnchen, Bruder Manfred), waren u.a. auch Produzent Peter Wagner, Textautor Oliver Spiecker, Manager Freddy Burger, Autorin "Michaela Moritz", Meret & Ben Becker, Klaus Wowereit, Bernhard Brink, Jay Khan, Tim Bendzko und Campino von den Toten Hosen im Publikum zu finden.
  • Eine Frau schaffte es bei "Ich war noch niemals in New York" auf die Bühe zu rennen und neben dem Flügel eine gefühlte Ewigkeit lang zu tanzen. Erschreckend, wie lange es dauerte, bis jemand Udo Jürgens zu Hilfe kam und die Frau entfernte, wie er es nach hinten rufend direkt forderte. Hätte ihm diese Person etwas antun wollen, hätte sie jede Zeit der Welt dafür gehabt... Das Sicherheitskonzept sollte dringend überdacht und verbessert werden!

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10

Freitag, 28. November 2014, 00:00

tv.berlin hat das Geschehen rund um das Konzert in der O₂ World begleitet und anhand zweier interessanter Videos dokumentiert:

Backstage beim Konzertaufbau - Teil 1

Backstage beim Konzertaufbau - Teil 2