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Sonntag, 30. November 2014, 03:09

Hamburg, 29.11.2014

Pressestimmen:

Udo Jürgens mitten in Hamburg - mitten im Leben

Die Welt braucht Lieder, Hamburg braucht Lieder, Udo Jürgens hat sie. Österreichs Entertainer-Legende lieferte seinen 10.000 Anhängern in der O2 World wieder das volle Paket. So war das Konzert

"Deine Stimme erheben und singen ehe uns Hören und Sehen vergeht, Gegensätze in Einklang zu bringen in einer Sprache, die jeder versteht. Immer, immer wieder, immer, immer wieder: Die Welt braucht Lieder", singt Udo Jürgens am Sonnabend zu Beginn seines Konzerts noch hinter der Bühne in der Hamburger O2 World.
Und beantwortet damit auch die Frage, warum er im - für Entertainer - biblischen Alter von 80 Jahren immer noch neue Alben wie aktuell "Mitten im Leben" aufnimmt und auf seine 25. Tournee geht. Die Welt braucht seine Lieder, wer sonst vermischt lässigen Charme, knorrigen Schmäh und Schlager-Klassiker, die auch beim besten Willen nicht aus dem popkulturellen Gedächtnis zu löschen sind? Eben.

Natürlich freuen sie die meisten der 10.000 Fans besonders auf die unverwüstlichen Evergreens, auf "Ich war noch niemals in New York", "Griechischer Wein", "Ein ehrenwertes Haus", "Aber bitte mit Sahne", "17 Jahr, blondes Haar", eben jene Lieder, mit denen Jürgens und das Orchester Pepe Lienhard das Publikum wie ein Magnet aus den Sitzen und die Rosenkavaliere an den Bühnenrand saugen. "Die kommen ja sowieso", kichert Jürgens. Sie kommen und starten die Party. Wie gestern und wie morgen.

Aber stehen geblieben im Gestrigen ist Udo Jürgens nie. Wenn ihn etwas missfällt, dann macht er das auch deutlich wie im neuen Lied "Der gläserne Mensch", der überhaupt kein Schlagermove-Klassiker werden wird: "Die Welt im Apple- und iPhone-Wahn, und Rechner wissen mehr als wir. Sie sind gnadenlos auf der Datenspur, wo du auch bist - sie folgen dir", singt Jürgens mit 007-Titelsong-Bläserfanfaren an die Adresse von "BND-NSA" und wird auf der großen HD-Leinwand als Drohnenziel inszeniert.

Das sind die Seiten- und Saitenhiebe in einem 130 Minuten langen Paket Rundum-Unterhaltung aus Österreich. 27 Lieder, vom live vorher nie ausgespielten "Immer wieder geht die Sonne auf" bis zum Finale "Zehn nach elf" um zehn vor elf. Da kann man nur Danke sagen, "Merci Chérie" sozusagen, auch wenn der Arena-Sound an diesem Abend in der ersten Hälfte von lästigen Echos gestört wird. Nichts ist perfekt, nicht einmal eine Udo-Jürgens-Show. Aber daran kann man ja noch was drehen bis zum Zusatzkonzert am 24. Februar.

Quelle: abendblatt.de

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Sonntag, 30. November 2014, 10:19

Udo Jürgens: Der alte Mann und das Mehr

Vor dem Auftritt, da gucke er immer durch den Vorhang an der Seite, erzählt Udo Jürgens. Er blicke dann einigen Besuchern ins Gesicht und frage sich: "Warum kommt der gerade zu mir ins Konzert?" Am liebsten würde er, um das herauszufinden, mit allen sprechen, doch das gehe bei derartig großen Veranstaltungen natürlich nicht. Immerhin wollen ihn am Sonnabend etwa 11.000 Menschen in der Hamburger O2 World sehen und erleben. Da wird es mit dem engen Kontakt zwischen Fans und Star ein wenig schwierig. Doch der Sänger baut Brücken - durch Geschichten wie diese.
Eine, die ganz dicht heran kommt, ist Dorothea Lorraine. "What a voice! Irgendwie hört man, dass diese Stimme nicht aus Wuppertal kommt, sondern aus New York City", sagt Jürgens, als er die Soulsängerin vorstellt, die mit ihm zu Beginn der Show "Ich will, ich kann" im Duett singt. Begleitet werden sie, wie immer auf Jürgens' Konzerttourneen, vom Orchester Pepe Lienhard und ausgezeichneten Musikern, die Violinen-, Flügelhorn- und E-Gitarren-Soli einfließen lassen.

Ein Mehr an Hingabe und Zeit

80 Jahre ist Udo Jürgens im September geworden. Weil er aber ja einem seiner Hits zufolge davon überzeugt ist, dass das Leben mit 66 Jahren erst so richtig anfängt, befindet er sich jetzt sozusagen erst in der Blütezeit seiner zweiten Jugend - oder eben "Mitten im Leben", wie der Titel der Tour lautet. Und der eigentlich ja schon recht alte Mann bietet auf der Bühne im Vergleich zu so manchem anderen Künstler so viel mehr: mehr Anekdoten, mehr Hingabe zu den Fans - und vor allem mehr Zeit. Zwar hört auch ein Udo-Jürgens-Abend irgendwann auf (das sei vorweg verraten), doch während man nach anderen Konzerten längst auf dem Heimweg ist, hat bei ihm die Zugabe noch nicht einmal begonnen.
Mitunter bezieht er auch politisch deutlich Stellung, etwa zu Datensammel- und Abhörskandalen: "Spionage unter Freunden, das gab es früher nicht, das ist neu." Jeder habe schließlich das Recht auf Privatsphäre. Die Menschen müssten klar artikulieren: "Das wollen wir nicht! Notfalls müssen wir das im Wahlergebnis ausdrücken." Sagt es und spielt einen Song von seiner im Februar erschienenen neuen Platte "Mitten im Leben". In "Der gläserne Mensch" heißt es im Text, persönliche Informationen seien "gefangen im Netz, gegen jedes Recht und Gesetz". Und Jürgens fragt in Anspielung auf Facebook und Co.: "Wo sind Netzwerke denn sozial?"

Bäume pflanzen statt ausreißen

Von den neuen Titeln kommen unter anderem auch noch "Das Leben bist du" und "Mein Ziel" zur Aufführung. In letzterem setzt sich Jürgens mit seinen Plänen für die Zukunft auseinander: "Ich reiß' sicher auch keine Bäume mehr aus, doch ich will und werde noch welche pflanzen." Seinen Fans pflanzt er mit dem ebenfalls neuen "Der Mann ist das Problem" einen schmissigen, ironisch getexteten Song zum Mitsingen ein. Vor allem die weiblichen Fans freuen sich über witzige Zeilen wie "Wer geht in Freudenhäuser und erfand das Zölibat?" und "Wer hält sein Auto sauber und verdreckt den Ozean?". Männer seien laut Jürgens nun mal unglaublich fähig - "aber leider zu allem".

Natürlich weiß er, dass das Publikum auf die großen Hits hinfiebert. Doch er beschwichtigt vor der Pause: "Die ganz bekannten Dinger, die kommen noch, das ist doch klar! Da haben wir alle Spaß dran!" Als kleinen Vorgeschmack gibt es "Immer wieder geht die Sonne auf", ehe das Orchester den dritten Satz der symphonischen Dichtung "Krone der Schöpfung" intoniert. Dass Jürgens dieses Arrangement im Aufgebot hat, unterstreicht seine musikalische Vielseitigkeit. Er erinnert sich lächelnd daran, wie er bei Herbert von Karajan vorsprach, um diese Komposition mit den Berliner Symphonikern aufzunehmen. "Der muss gedacht haben: 'Was ist das für ein Trottel?' und dann hat er mir tatsächlich die Symphoniker zur Verfügung gestellt."

"Ein paar schöne Oldies?"

"Es war schon dunkel ..." Mehr braucht es nicht, um klar zu machen, dass jetzt das Finale beginnt - mit einer sich wie ein Sirtaki aufbauenden Variante von "Griechischer Wein", die am Anfang deutlich langsamer ist als die Standardversion, um dann umso schneller zu werden. "Jetzt ein paar schöne Oldies?", fragt Jürgens. Die weiblichen Fans sind längst Richtung Bühne gestürmt und werfen Blumensträuße hinauf. Ab geht es über den großen Teich, auf der Videoleinwand erscheinen Überflugbilder der Hochhausschluchten Manhattans. "Ich war noch niemals in New York" wird unterbrochen für ein Solo der Soulsängerin Lorraine mit Sinatras "New York, New York".

Nach dem Erste-Sahne-Mix bestehend aus "Aber bitte mit Sahne", "Ein ehrenwertes Haus" und "Mit 66 Jahren" ist es Zeit für die Zugabe, den obligatorischen Bademantel - und einen ganz alten Hit. "Kennt ihr den noch?", fragt Jürgens. Immerhin ist "Cottonfields" von 1968, aber durchaus noch gut bekannt. So wie "17 Jahr, blondes Haar" und "Liebe ohne Leiden." Jürgens dirigiert den Refrain und zieht sich langsam hinter die Bühne zurück. Das Ende?
Nein! Noch immer ist nicht Schluss. Mit legerer blauer Jeans statt feinem Smoking kommt der Sänger noch einmal auf die Bühne und spielt "Zehn nach elf", einen Song von der neuen Platte, in dem er sentimental das Ende eines Udo-Jürgens-Konzertes besingt. "Ich zieh' in der Garderobe den Bademantel aus, die Roadies schieben mein Klavier aus dem Saal hinaus. Zehn nach elf, genau wie jede Nacht, erst das viele Licht und dann die Leere." Udo Jürgens steht noch immer händeschüttelnd und Blumensträuße einsammelnd am Bühnenrand, als das Saallicht längst angeschaltet wurde.


Quelle: ndr.de

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Montag, 1. Dezember 2014, 19:49

Immer ein Erlebnis / Der Einmalige

Udo Jürgens schaffte es in der O2 World mal wieder, ein Konzert zum großen Ereignis zu machen

So, so, Udo Jürgens will noch niemals in New York gewesen sein? Der Einspielfilm "Die Welt braucht Lieder" zum Konzertbeginn am Sonnabend in der O2World fliegt jedenfalls die vielen Stationen seiner Karriere ab, und auch New York ist dabei. Klar war er schon da, der Schlingel aus Klagenfurt. Das Intro endet mit dem Schwenk auf Hamburg, und Udo Jürgens kommt unter dem tosenden Applaus von 10.000 Fans auf die Bühne.

Er selber weiß nicht mehr, wie oft er in den vergangenen fünf Jahrzehnten in der Hansestadt aufgetreten ist. Nahezu 150-mal, schätzt er. Und es werden noch einige Male dazukommen, das nächste Konzert ist für den 24. Februar gebucht. Wenn das Leben mit 66 Jahren beginnt, dann steht man schließlich mit 80 Jahren mitten im Leben. "Alles aus Liebe", "Was ich gern wär für dich" und "Das Leben bist du" eröffnen romantisch den Abend. Das Publikum im bestuhlten Saal blickt gebannt auf die riesige HD-Leinwand und sucht eine Falte im Gesicht des gereiften Entertainers oder tuschelt über die Echos, die der vom Orchester Pepe Lienhard ausgerollte Klangteppich in der Arena verursacht. "Das. Das. Leben. Leben. Bist. Bist. Du. Du", wird es von den Rängen zurückgeworfen. Geduld ist gefragt, bis der Mischer das später nachregelt. Aber Geduld bringen die Fans, die auch am Sonnabend wieder aus allen Altersschichten zwischen sechs und 86 Jahren kommen, seit jeher mit zu den Konzerten von Udo Jürgens.

Die immer noch so unzerstörbaren wie populären Schunkel- und Mitsing-Hits, hebt sich Jürgens für die zweite Halbzeit auf: "Die kommen ja sowieso", verspricht er schon beinah entschuldigend.
Denn weiterhin gibt es auch neue Lieder, neue Klänge und auch alte Raritäten, die es ausführlich anzukündigen, zu erklären und live zu präsentieren gilt. Im Februar erschien sein 42. Studioalbum "Mitten im Leben", das bei allem unterhaltsamen Schmelz auch kritische Töne auf der Klaviatur des Lebens spielt. "Der Mann ist das Problem" wildert textlich in Grönemeyers "Männer"-Revier, und "Der gläserne Mensch" warnt vor den Gefahren einer gegenüber "BND-NSA" zu naiven Öffentlichkeit: "Die Welt im Apple- und iPhone-Wahn, und Rechner wissen mehr als wir. Sie sind gnadenlos auf der Datenspur, wo du auch bist, sie folgen dir", singt Jürgens und wird auf der Leinwand als potenzielles Drohnenziel inszeniert. Das Orchester lässt dazu satte 007-Bläserfanfaren nebst rockigem Gitarrensolo los.

Das könnte mit etwas mehr Schwung ein Bond-Titelsong sein, aber Pepe Lienhards Truppe lässt es doch noch sehr zurückhaltend angehen, etwa wenn Jürgens mit Sängerin Dorothea Lorene ("So eine Stimme kommt nicht aus Wuppertal, sondern aus New York") das Duett "Ich will, ich kann – I Can, I Will" schmettert. Ein James Last, der am 26. März in die O2 World kommt, würde jetzt vielleicht energisch in die Finger schnipsen und mit strengem Blick mehr Einsatz fordern. Aber wie gesagt: nur Geduld. Das wird noch.

Nach der Pause spielt das Ensemble bei "Hautnah" und "Ich würd' es wieder tun" noch wie im Hollywood-Softsex-Soundtrack. Frivol schmachtendes Saxofon und seufzende Streicher wecken Bilder von in kompletter Unterwäsche umschlungenen Liebenden unter seidigen Bettlaken, eingefangen von einer Weichzeichner-Kamera.

"Ich hab' bewusst so manche Illusion zerstört, und manchen Rat, der gut gemeint war, überhört. Doch ich hab' nie den Mantel nach dem Wind gehängt. Ich hab' geliebt und mich doch niemals aufgedrängt. Was auch geschah, und ging es mir auch noch so nah: Ich würd' es wieder und immer wieder tun", schwört Jürgens dazu. Seine Antwort auf "My Way".

Es gibt nichts, was er nicht schon erlebt hat. Öffentliche Erfolge und private Krisen, harsche Kritik und überzogener Jubel. Na und? "Immer wieder geht die Sonne auf", mit dieser Gewissheit hat sich Udo Jürgens durch das Leben geliebt, gelitten und gespielt. Er hat weder den Mantel nach dem Wind noch den Bademantel an den Nagel gehängt.

Und so funktioniert es eben auch beim 151. oder 183. Konzert in Hamburg: "Griechischer Wein", "Ich war noch niemals in New York", "Ein ehrenwertes Haus", "Aber bitte mit Sahne" und "Mit 66 Jahren" hebeln die Fans in schneller Folge aus den Sitzen, alles steht, das Orchester fetzt auf vollen Touren. "Als wenn man einen Schalter umgelegt hat", staunt die Sitznachbarin, die offensichtlich das erste Mal ein Udo-Jürgens-Konzert besucht. Ja, der Energieschub, der bei den großen Hits durch die Stuhlreihen fährt, ist doch immer wieder die vorher aufzubringende Geduld wert.

Und so steht Udo Jürgens auch auf seiner 25. Tournee bei "Cottonfields" im Bademantel auf der Bühne und verlässt sie in Jeans und Hemd nach 130Minuten Spielzeit um zehn vor elf – zeitlich nicht ganz exakt passend – mit "Zehn nach elf". Eigentlich ist es wie immer: beste Unterhaltung, kritische Untertöne, berührende Lieder und irgendwann der Druck auf die Party-Taste. Und doch bleibt der Eindruck eines einmaligen Abends. Als wäre er tatsächlich noch niemals in New York gewesen. Geschweige denn Hamburg.

Quelle: welt.de / abendblatt.de

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