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Samstag, 18. August 2018, 12:09

Jenny Jürgens im Interview (13.08.2018)

Udo Jürgens' Tochter spricht über den Todestag ihres Vaters

- "Bitte ruf mich sofort an!"-

Schauspielerin Jenny Jürgens (51, "Rote Rosen") spricht im AZ-Interview über ihren geliebten und berühmten Vater – und sagt, wie es ihr heute geht.


AZ: Grüß Gott, Frau Jürgens, Sie tragen Ihre Haare jetzt kürzer. Wie kam es dazu?
JENNY JÜRGENS: Wahrscheinlich wie das bei vielen Frauen der Fall ist, wenn man neu durchstarten will. Außerdem habe ich mir immer schon, bestimmt seit 20 Jahren, eine Kurzhaarfrisur gewünscht, aber mich nie getraut. Ich hatte Angst, dass ich ein riesiges, breites Gesicht bekomme. Aber mein Mann hat gesagt, es wird genau das Gegenteil der Fall sein. Und dann bin ich los zum Friseur in Spanien. Es war so toll, als ich wieder raus bin. Nie wieder lange Haare! Das war im Frühling 2015. Ich denke, das war auch, nachdem sich der erste Schock vom Tod meines Vaters ein bisschen gelegt hat. Da kam der Frühling und ich dachte: Ab mit der alten Energie, ab mit der Traurigkeit, rein ins Sommerkleid.

Sie waren bei Dreharbeiten für "Rote Rosen", als Ihr Vater im Dezember 2014 starb...

Nicht direkt, ich hatte gerade frei und bin am 19. Dezember abends nach Hause, nach Mallorca, geflogen. Am 21. haben mein Mann und ich uns mit vielen Freunden getroffen, saßen am Hafen mit Fisch und Bier, die Sonne schien, es war ein super Tag. Alles war so perfekt. Ich wollte mich richtig ausruhen, hatte ja gerade sechs Monate die Hauptrolle gedreht. Auf einmal kommt nachts um halb drei die SMS von meinem Bruder John: "Bitte ruf mich sofort an!". Dann begann eine neue Zeitrechnung in meinem Leben. Ich habe komischerweise auch gar nicht geweint. Ich war nur noch im Schockzustand. Mein Mann hat für mich gepackt und ich bin sofort nach Zürich geflogen, um mich von meinem Vater zu verabschieden, der aber schon tot war. Das war natürlich brutal.

Sie haben seinen Tod ja nicht kommen sehen.

Nein, wir haben zwar gesehen, dass er älter wird, der Gang hat sich ein bisschen verändert, die Augenfarbe auch. Aber für einen 80-Jährigen war er der Wahnsinn. Ich war auch noch in drei seiner Konzerte. Ich habe mir schon gedacht: Na, ob der Papa noch mal Tournee geht? Ich hatte im Gefühl, dass er diese Form von Tourneen nicht mehr machen würde, weil es ihm zu viel war. Und dann ist er mitten in seiner Tourpause gestorben. Sterben ist ein Teil des Lebens, aber es bleibt immer eine Amputation. Auch für meinen Vater war es das. Wie viele andere in dem Alter wurde auch er recht rührselig und sentimental. Er hat öfter geweint, es kamen ihm öfter die Tränen, wenn er über etwas geredet hat. So auch, wenn er über seinen Großvater sprach. Ich dachte: Wow, du bleibst immer ein Kind. Auch wenn man selber alt ist.

Haben Sie zu Hause auch mal übers Sterben gesprochen?

Mit meiner Mama kann ich sehr gut darüber sprechen. Sie sagt genau, wo, wie, was, hat jetzt schon einen Umschlag, wo alles drin steht. Bei meinem Vater war es schwieriger. Er tat sich sehr schwer. Übers Sterben zu sprechen, war nicht sein Ding. Er hat einen schönen, für ihn passenden Tod gehabt, er ist einfach beim Spazierengehen tot umgefallen. Aber es werden noch einige Abschiede auf mich zukommen. Und das ist auch etwas, wovor ich wirklich Angst habe: vor Schicksalsschlägen. Denn ich habe ein so schönes, glückliches Leben. Ich habe den tollsten Mann der Welt an meiner Seite. Ich muss immer aufpassen, ich neige zu einer großen Ängstlichkeit. Ich habe immer Angst, dass irgendetwas passiert und plötzlich alles anders ist.

Wie ist der Kontakt zu Ihren Geschwistern?

Zu meinem Bruder habe ich einen sehr engen Kontakt und zu meiner Halbschwester Sonja habe ich auch einen guten Kontakt. Der Tod unseres Vaters hat uns noch mal mehr zusammengeschweißt. Wir stehen seitdem immer noch täglich in Kontakt.

Wie achten Sie selbst auf sich und halten sich fit?

Ich esse alles, was schmeckt. Ich bin nicht fanatisch mit irgendetwas, bin kein Vegetarier oder Veganer. Ich ernähre mich ausgewogen. Ich habe konstant drei bis fünf Kilo zu viel. Das ist wahrscheinlich dem Alter und den Wechseljahren geschuldet. Aber ich hab mir gesagt, ich möchte relaxt bleiben und keinen Krampf veranstalten. Das Leben soll Genuss sein.